Technologien für die Zukunft

Die Automobilindustrie sieht sich ständigen Herausforderungen und neuen Technologien gegenübergestellt – im Gespräch mit der K‑ZEITUNG gewährt R+S Technik Einblicke.

> PDF Download hier <

R+S Technik hat mit neuen Ideen und intelligenter Maschinenverkettung Zeichen im Bereich der Automatisierung gesetzt, wie Thimo van Gessel, Vertriebsleiter bei R+S Technik, erklärt.

Als einer der Marktführer bei der Herstellung von Werkzeugen und Maschinen zur Produktion von Interieur- und Exterieurteilen für die Automobilindustrie kann R+S Technik auf 70 Jahre Know-how zurückgreifen. Zu den Kunden von R+S Technik zählen dabei Tier-1-Zulieferer der Automobilindustrie, wie Thimo van Gessel, Vertriebsleiter bei R+S Technik, im Gespräch mit der K‑ZEITUNG betont: "Es spielt keine Rolle, ob der Kunde dabei ein Global Player oder mittelständischer Lieferant mit speziellen Lösungen für Sonderfahrzeuge oder Kleinserien ist." Als international agierendes Unternehmen wird R+S Technik auch mit unterschiedlichen Standards und Anforderungen in den jeweiligen Märkten konfrontiert. "Qualität, Termintreue, Innovationen und Kosteneffizienz spielen überall eine Rolle", wie van Gessel erklärt. "In der Automobilindustrie ist der Liefertermin einer hundertprozentig funktionierenden Anlage beziehungsweise Werkzeug das höchste Gut." Auch bei Innovationen und Neuentwicklungen weiß R+S Technik zu überzeugen: Mit der PPI-Technologie führte das Unternehmen gleich vier Fertigungsverfahren zusammen: das Pressen/Formen, Stanzen/ Beschneiden, das Hinterspritzen von Funktionskomponenten sowie auch das Kaschieren eines Dekors. Die Technologie hat dabei einen wesentlichen Vorteil gegenüber denen anderer Anbieter, wie van Gessel erklärt: "Auf der Sichtseite der Bauteile sind keine sichtbaren Markierungen beziehungsweise Einfallstellen. Insgesamt ist der Prozess eine absolute Innovation in der Herstellung von Innenverkleidungsteilen aus Naturfasermaterialien."

Einsatz von Naturfasern

Um diese Prozessschritte dann auch in einem One-Shot-Werkzeug zu vereinigen, dazu benötige es sehr viel Erfahrung im Bereich des Werkzeugbaus. Der Einsatz von Naturfasern im Automobilbereich ist dabei eines der Themen, auf die R+S Technik ein besonderes Augenmerk legt. Erste Erfolge kann das Unternehmen bereits verzeichnen: "Gemeinsam mit einem namhaften OEM und einem globalen Automobilzulieferer haben wir eine Naturfaser mitentwickelt", so van Gessel. Einsatz fand diese dabei erstmalig in einem Serienelektrofahrzeug. "Die Innovation dabei ist es, dass man Naturfasern nicht mehr mit Dekoren oder Kunstleder kaschiert, sondern sichtbar macht. Hierbei arbeiten wir auch mit anderen Zulieferern zusammen, um auch diese sichtbaren Naturfasern, auch 'Nature Look' genannt, zu ermöglichen. In Kombination damit wollen wir insgesamt die Bauteile leichter machen, um beispielsweise Sprit zu sparen oder aber wie beim Elektrofahrzeug auch das Gesamtgewicht zu reduzieren."

Alternative Strukturen

Für Unternehmen wie R+S Technik ist es dabei wichtig, neue Trends und Marktentwicklungen im Automobilbereich aktiv mitzugestalten und voranzutreiben - auch im Bereich der Elektro- oder der Wasserstofftechnik: "Wir müssen darauf reagieren, wie sich das Fahrzeug als Ganzes in der Zukunft entwickelt. Wir sind heute schon dabei, Sitzstrukturen zu verändern, die heute etwa noch aus Stahl oder anderen Metallen bestehen. Hierbei setzen wir bereits auf Naturfasern. Mithilfe unserer PPI-Technologie können wir stabile Bauteile realisieren, die auch im Crashverhalten bestehen. Unser Fokus liegt dabei auch darauf, Bauteile, die heute noch aus Metallen oder beispielsweise Kunststoffen bestehen, zu ersetzen, um auch das Gesamtfahrzeug von seiner Struktur her zu verändern." Als weiteres Beispiel nennt van Gessel auch den Bereich des autonomen Fahrens. Dort arbeitet R+S Technik bereits seit mehreren Jahren mit einem in Aachen ansässigen Hersteller von Elektrofahrzeugen. "Für das erste Fahrzeug dieses Herstellers haben wir den kompletten Innenraum entworfen wie etwa Türen, Bodengruppen und vieles mehr. Wir sind aktuell auch bei einem autonom fahrenden elektrisch angetriebenen Kleinbus dieses Herstellers involviert. Das mitzugestalten und den Einfluss eines Werkzeug- und Maschinenbauers miteinzubringen und dabei mitzuentscheiden, welche Dinge möglich sind und welche nicht, sind die Dinge, die uns in der Branche in den nächsten Jahren beschäftigen werden." Um auch mit der stetig steigenden Individualisierung von Produkten mithalten zu können, müssen dabei auch die Anlagen immer noch flexibler werden. Ein wichtiges Kernthema der letzten Jahre, auch für R+S Technik, wie van Gessel betont: "Mit neuen Ideen in der Automatisierung und der intelligenten Verkettung von Einzelmaschinen zu einer Produktionsstraße mit viel geringerem Bedarf an Personal haben wir Zeichen gesetzt." Teil der Anlagenkonzepte sind dabei auch Roboter jeglicher Art: von einfachen linearen Handlingsystemen über Industrieroboter hin zu kollaborativer Robotertechnik. Wie wichtig diese für die Flexibilität einer Anlage sein können, weiß auch van Gessel: "Wir bauen zurzeit die ersten drei Anlagen, die von vornherein als Einzelmaschinen konzipiert wurden. Diese werden dann mittels Roboterhandling miteinander verknüpft. Sie sind also von vornherein schon so ausgelegt, flexibel auf Folge- oder Wechselaufträge reagieren zu können."

Potenziale ausreizen.

Doch wo kann man Technologie auch in Zukunft noch weiter ausreizen, um so Anlagen und Maschinen noch effizienter zu gestalten - und wo sind die Grenzen? Vor allem beim Energiebedarf einer Maschine gibt es noch Potenziale, wie van Gessel verrät: "Die Effizienz einer Maschine hängt immer auch vom sogenannten 'Bottleneck' ab. Wenn ich etwa ein Produkt habe, das eine entsprechende Zeit auskühlen oder aufheizen muss, kann ich alles andere so effizient gestalten, wie ich möchte, das Produkt braucht einfach diese gewisse Zeit." Das Unternehmen entwickelte auch hier Ideen und Konzepte und konnte diese bereits in die Praxis umsetzen, etwa bei einer Anlage, die unter anderem Türverkleidungen und Instrumententafeln fertigt, wie van Gessel verrät: "Ein Produkt wird dabei in Naturfasern, die im Fahrzeug sichtbar bleiben, hergestellt. Das dabei verwendete Naturfaserdekor braucht entsprechend lange, um aufzuheizen, die nötige Prozesstemperatur zu erreichen und verformbar zu sein. Dort konnten wir den für sich gesehen mindestens 90 Sekunden dauernden Aufheizprozess in zwei parallel wirkenden Schritte aufteilen, also in 2 mal 45 Sekunden halbieren. Der Rest - das Wegfahren, Ins-Werkzeug- Fahren, Werkzeugschließen, Kühlen und Herausnehmen - ist beispielsweise in 40 Sekunden geschafft. Im Normalfall wäre die Maschine also über die Hälfte der Zeit stillgestanden." Das Unternehmen konnte durch die Halbierung des Heizprozesses die Machineneffizienz somit fast verdoppeln.